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Wenn Lernen Spaß macht: IGS.
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Erdkunde Sekundarstufe II Qualifikationsphase Oberstufenprofil SprachRaum Oberstufenprofil Wissen.schaf(f)t.Nachhaltigkeit Jahrgang Abi27 Startseite

Oberstufenkurse erkunden modernen Milchviehbetrieb

Von der Theorie in den Kuhstall: Erdkunde-Kurse zu Gast bei Familie Kolkmeyer

Am Freitag, den 12. Dezember 2025, tauschten etwa 30 Schüler*innen der Qualifikationsphase 12 ihre Klassenräume gegen Kuhstall und Melkstand. Die beiden Erdkunde-Kurse des WiNa-Profils (Wirtschaft/Nachhaltigkeit) unter der Leitung von Herrn Lauxtermann und des SpRa-Profils (Sprache/Raum) unter der Leitung von Frau Strating erlebten hautnah, was moderne Landwirtschaft bedeutet – inklusive authentischer Landluft.

Zwischen Maissilage und Melkrobotern

Der Familienbesitz der Kolkmeyers, der seit über 500 Jahren von Generation zu Generation weitergegeben wird, bot den perfekten Schauplatz für eine Lektion in praktischer Agrarwirtschaft. Während im Erdkunde-Unterricht das Abiturthema „Deutschland in Europa" oft eher theoretisch daherkommt, wurde es hier plötzlich sehr lebendig – und gelegentlich auch lautstark muhend.

Herr Kolkmeyer nahm sich viel Zeit für die wissbegierigen Gäste und führte sie durch seinen Betrieb, der sich über etwa 50 Hektar Eigentumsfläche erstreckt. Die Schüler*innen staunten nicht schlecht, als sie erfuhren, dass eine einzelne Kuh täglich zwischen 30 und 50 Liter Milch produziert. Im Laufe ihres Lebens kommt eine Kuh damit auf beeindruckende 39.000 Liter.

Fragenhagel im Kuhstall

Die Schüler*innen hatten sich akribisch vorbereitet und stellten Herrn Kolkmeyer viele durchdachte Fragen.

High-Tech trifft auf Tradition

Friedrich war fasziniert von der Tatsache, dass der Hof bereits seit einem halben Jahrtausend in Familienhand ist – quasi seit Columbus Amerika entdeckte, gibt es hier schon Kühe. Noch beeindruckter war er allerdings von den hypermodernen Melkrobotern: Die Kühe spazieren eigenständig bis zu viermal täglich zum Roboter, lassen sich in 7-10 Minuten melken und snacken dabei genüsslich Kraftfutter. „Wie eine Kuh-Wellness-Oase mit All-inclusive-Buffet", kommentierte ein Schüler treffend.

Anton erfuhr, dass der Arbeitstag bereits um 6:30 Uhr beginnt – zu einer Zeit, zu der die meisten Oberstufenschülerinnen noch von der Snooze-Taste träumen. Die etwa 250 Tiere werden einmal täglich gefüttert und nutzen dann selbstständig die Melkroboter. „Die sind ja selbstständiger als manche Schülerinnen", scherzte Herr Lauxtermann.

Milch-Mathematik und Futter-Formeln

Oscar und Karrar interessierten sich für die Futter-Milch-Gleichung. Die Antwort war komplexer als erwartet: Theoretisch kann 1 kg Kraftfutter 1 Liter Milch produzieren, aber eine reine Kraftfutter-Diät wäre für die Kühe etwa so gesund wie für Teenager eine ausschließliche Fast-Food-Ernährung. Stattdessen bekommen die Tiere hauptsächlich Gras- und Maissilage – sozusagen die ausgewogene Mischkost für Wiederkäuer.

Jannik verfolgte die Milch auf ihrer weiteren Reise: Die Weidemilch landet tatsächlich in Steinfeld bei der Bonbonproduktion – wer hätte gedacht, dass die Milch vom Frühstückstisch später als Karamellbonbon zurückkehren könnte? Die restliche Milch macht sich auf den Weg nach Georgsmarienhütte.

Nachhaltigkeit mit Hindernissen

Besonders nachdenklich stimmte Ayaz' Frage nach den größten Herausforderungen. Herr Kolkmeyers Antwort war ernüchternd ehrlich: Das Kaufverhalten der Verbraucher*innen sei das größte Problem. „Alle wollen glückliche Kühe auf grünen Wiesen, aber an der Supermarktkasse siegt dann doch meist der Sparfuchs über das Gewissen", fasste er die Problematik zusammen.

Lars erfuhr, dass der Hof zwar locker die Standards der Haltungsform 3-4 erfüllt, eine offizielle Zertifizierung aber schlicht zu teuer wäre – ein klassisches Dilemma der modernen Landwirtschaft. Immerhin: Der Betrieb nutzt Photovoltaik auf den Dächern und setzt auf effiziente Düngung zur CO₂-Reduktion. Außerdem werden EU-Subventionen genutzt, die aber mit strengen Umweltauflagen verbunden sind: 10% extensive Landwirtschaft und Blühstreifen für Insekten gehören zum Pflichtprogramm.

Vom Kalb zum Schnitzel

Marie interessierte sich für den Lebenszyklus der Tiere und erfuhr, dass eine Milchkuh durchschnittlich 5,4 Kälber zur Welt bringt – keine ganz runde Zahl, aber Statistik war noch nie romantisch. Die männlichen Kälber, die naturgemäß keine Milch geben, werden später geschlachtet und das Fleisch im hofeigenen Laden verkauft. „Vom Hof auf den Teller" bekommt hier eine sehr direkte Bedeutung.

Friedrich wollte noch wissen, wie viel Zeit die Kühe im Sommer auf der Weide verbringen. Bei gutem Wetter sind es 6-8 Stunden täglich – mehr Work-Life-Balance als so mancher Abiturient in der Klausurenphase hat.

Keine Jobs für Schüler – volle Konzentration aufs Abi

Anton musste leider erfahren, dass keine Teilzeitjobs für Schüler*innen angeboten werden. „Ihr sollt euch lieber auf euer Abitur konzentrieren", meinte Herr Kolkmeyer augenzwinkernd, „die Kühe melken sich dank der Roboter ja quasi von selbst."

Fazit: Landwirtschaft ist mehr als Bauernhofromantik

Nach zwei informativen Stunden verließen die Schüler*innen den Hof mit vielen neuen Eindrücken – und dem einen oder anderen Kuhgeruch in der Kleidung. Die Exkursion zeigte eindrucksvoll, dass moderne Landwirtschaft ein Spagat zwischen Tradition und Innovation, zwischen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit, zwischen Verbrauchererwartungen und Realität ist.

Für die anstehenden Abiturprüfungen haben die Schüler*innen nun nicht nur trockene Theorie im Kopf, sondern können das Thema „Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft" mit echten Bildern, Gerüchen und Geschichten verbinden. Und wer weiß – vielleicht denkt der eine oder die andere beim nächsten Milchkauf im Supermarkt an Herrn Kolkmeyers Worte und greift doch zur regionalen Weidemilch.

Ein herzliches Dankeschön an Herrn Kolkmeyer für seine Geduld, seinen Humor und die Bereitschaft, 30 neugierigen Großstadtkindern zu zeigen, wo die Milch wirklich herkommt – spoiler: nicht aus dem Tetrapack!

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