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Vom Schrott zum grünen Stahl: WiNa zu Besuch im Stahlwerk Georgsmarienhütte
Glühender Stahl, ohrenbetäubender Lärm und Naturwissenschaft zum Anfassen: Am Dienstag, 15. September, hat der Erdkunde-Leistungskurs des 13. Jahrgangs aus unserem Profil Wissenschaft & Nachhaltigkeit (WiNa) das Stahlwerk der Georgsmarienhütte GmbH besucht. Organisiert hatte die Werksführung Erdkundelehrer Matthias Lauxtermann. Sie dauerte fast vier Stunden – und keine Minute davon war zu viel. Die Schüler*innen bekamen tiefe und sehr beeindruckende Einblicke in ein Werk, das seit Jahrzehnten zeigt, dass Stahlproduktion und Klimaschutz kein Widerspruch sein müssen.
Das Herz des Werks: der Lichtbogenofen
Über viele Treppenstufen ging es hinauf zum Elektrolichtbogenofen, der hinter dickem Panzerglas beobachtet werden kann. Das Prinzip: Große Graphitelektroden werden von oben in den mit Schrott gefüllten Ofenkessel gefahren. Zwischen Elektroden und Metall zündet ein elektrischer Lichtbogen, der mehrere tausend Grad heiß ist. Der Schrott schmilzt, bis der Stahl bei rund 1.700 Grad so dünnflüssig wie Wasser ist. Etwa 150 Tonnen Schrott werden so pro Stunde eingeschmolzen. Beim Zünden des Lichtbogens wird es mit bis zu 130 Dezibel so laut wie bei einem startenden Kampfjet – und der Ofen benötigt so viel Strom wie die gesamte Stadt Osnabrück einschließlich ihrer Industriebetriebe.
Grüner Stahl aus Schrott
Klassisch wird Stahl im Hochofen aus Eisenerz und Koks erzeugt – ein Verfahren mit enormem CO₂-Ausstoß: Die Stahlindustrie gilt weltweit als Verursacherin von etwa sieben bis neun Prozent aller CO₂-Emissionen. In Georgsmarienhütte wurde der Hochofen bereits 1994 stillgelegt. Seitdem dient Schrott statt Erz als Rohstoff und Strom statt Kohle als Energieträger. Nach Angaben der GMH Gruppe sinken die CO₂-Emissionen dadurch auf etwa ein Fünftel im Vergleich zur Hochofenroute. Hinzu kommt: Stahl verliert beim Recycling nicht an Qualität. Wie Kreislaufwirtschaft konkret aussieht, zeigt die Zusammenarbeit mit VW: Schrott aus dem Osnabrücker Presswerk wird in Georgsmarienhütte eingeschmolzen und kehrt als neuer Stahl in die Getriebefertigung zurück. Gleichzeitig wurde deutlich, vor welchen Herausforderungen das Werk steht – denn je grüner der Strom, desto grüner der Stahl, und desto stärker hängt die Produktion von Energiepreisen und dem Ausbau erneuerbarer Energien ab.
Vom Strangguss ins Walzwerk
Anschließend verfolgte die Gruppe den weiteren Weg des flüssigen Stahls. In der Stranggießanlage fließt er in gekühlte Kokillen, erstarrt dort zu langen Strängen und wird anschließend in Blöcke geschnitten. Im Walzwerk werden diese glühenden Blöcke dann Schritt für Schritt zu Stabstahl ausgewalzt, der später unter anderem in Getrieben und Fahrzeugen verbaut wird.
Mathe, Physik, Erdkunde – alles hängt zusammen
Besonders spannend fanden die Schüler*innen die mathematischen, physikalischen und geographischen Zusammenhänge: Temperaturen und Energiebedarf, Stoffkreisläufe und Ressourcenschonung, Standortfaktoren und die Frage, welche Rolle die Stahlindustrie für die Energiewende spielt. Genau hier zeigt sich, wie sinnvoll die Verbindung von Mathematik, Physik und Erdkunde in unserem Profil Wissenschaft & Nachhaltigkeit ist – und wie spannend das Profilkonzept unserer Oberstufe insgesamt ist. Die Fächer greifen ineinander und die Schüler*innen erleben unmittelbar, wofür sie ihr Wissen brauchen. Unser Fazit: An diesem Tag haben alle mehr gelernt, als es in einer weiteren Doppelstunde Fachunterricht möglich gewesen wäre.
Wir bedanken uns herzlich bei der Georgsmarienhütte GmbH für die ausführliche und engagierte Führung!