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"Wir brauchen junge, kritische Stimmen"
Die erste Begegnung fand bei einer Fish-Bowl-Diskussion im Haus der Jugend statt.
Seine kompetente und zugleich schülernahe Art zu diskutieren überzeugte Lehrer Matthias Lauxtermann sofort - und so entstand die Idee, den jungen Kommunalpolitiker an die IGS einzuladen. Am 3. Dezember war es dann soweit.
"Wir brauchen junge, kritische Stimmen in der Politik" - mit dieser klaren Botschaft wandte sich Suraj Mailitafi an die Schüler*innen des 13. Jahrgangs der IGS Osnabrück. Der 23-jährige Kommunalpolitiker steht beispielhaft für eine neue Generation in der Politik, die frische Perspektiven und innovative Ansätze in den politischen Diskurs einbringt.
Mailitafis eigener Werdegang zeigt beispielhaft, wie vielfältig politisches Engagement sein kann. 2001 in Ghana geboren, kam er mit neun Jahren nach Deutschland. Als Analphabet musste er nicht nur die deutsche Sprache lernen, sondern auch das Lesen und Schreiben an sich. Dank großer Unterstützung in und außerhalb der Schule schaffte er den Weg bis zum Abitur. Heute ist er nicht nur Ratsmitglied für die Grünen in Stadt- und Samtgemeinderat Bersenbrück, sondern auch als Multiplikator für antirassistische Bewusstseinsbildung tätig. Parallel zu seinem politischen Engagement studiert er Chemie und forscht in seiner Bachelorarbeit gemeinsam mit Continental an der nachhaltigen Herstellung von Reifen. Sein Interesse für Chemie wurde durch die Beschäftigung mit Elektroschrott-Deponien in seinem Geburtsland Ghana geweckt - ein Beispiel dafür, wie persönliche Erfahrungen zu konkretem Engagement führen können.
Im vollbesetzten Auditorium entwickelte sich eine konzentrierte Diskussion. Die Kurssprecher*innen hatten im Vorfeld Fragen vorbereitet, die ein breites Spektrum aktueller gesellschaftspolitischer Themen abdeckten. Trotz seines vollen Zeitplans - Mailitafi war am Vorabend noch in einer Fraktionssitzung im Stadtrat von Bersenbrück - nahm er sich ausführlich Zeit für jede Frage.
Jugend und Politik
Die Repräsentation junger Menschen in der Politik lag Mailitafi besonders am Herzen. "Fast alle Parteien vergessen, Politik für junge Menschen zu machen", kritisierte er. Im Gespräch mit den Anwesenden ging er auf deren politische Zukunftsängste ein und ermutigte sie, sich einzumischen. Er berichtete von seinen eigenen Erfahrungen, wie er Politik und Studium vereinbart.
Diversität und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Als Multiplikator für antirassistische Bewusstseinsbildung brachte Mailitafi wichtige Perspektiven in die Diskussion ein. "Das Problem beginnt, wenn man nicht reflektiert, dass man gewisse Privilegien hat", erklärte er. Besonders eindrücklich wurde die Diskussion beim Thema struktureller Rassismus. Mailitafi verdeutlichte den Unterschied zwischen persönlichen und strukturellen Formen der Diskriminierung und betonte: "Wir sollten die Schönheit der Differenzen sehen - Unterschiede sind nichts Schlimmes."
Globale Gerechtigkeit
Mit konkreten Beispielen regte Mailitafi zum Nachdenken über globale Zusammenhänge an. "Afrika als Kontinent hat sehr viel Potenzial", betonte er und stellte die provokante Frage: Warum werden Handys nicht dort produziert, wo ihre Rohstoffe herkommen? Diese Frage führte zu einer anregenden Diskussion über globale Wirtschaftsstrukturen und Chancengerechtigkeit.
Demokratie und soziale Medien
Bei aktuellen politischen Themen wie der Diskussion um ein mögliches AfD-Verbot bezog Mailitafi klar Stellung: Ein Verbot allein würde die zugrundeliegende Ideologie nicht auflösen. Beim Thema Populismus überraschte er mit differenzierten Einschätzungen. Dieser sei "nicht per se schlecht" - entscheidend sei der Umgang damit. Die Schülerschaft interessierte sich besonders für die Rolle sozialer Medien in der politischen Kommunikation. Mailitafi betonte, dass besonders linke Parteien hier Nachholbedarf hätten.
Die authentische und schülernahe Art des jungen Kommunalpolitikers kam bei den Abiturient*innen sehr gut an. Als Dankeschön überreichten die Schüler*innen Fair-Trade-Schokolade der IGS. Seine Fähigkeit, komplexe politische Themen verständlich zu vermitteln und dabei stets den Bezug zur Lebenswelt junger Menschen herzustellen, hinterließ einen bleibenden Eindruck.
Der Besuch könnte die Jugendlichen inspiriert haben, selbst politisch aktiv zu werden. Die IGS freut sich bereits auf einen möglichen weiteren Besuch und wird den weiteren politischen Werdegang des engagierten jungen Kommunalpolitikers mit Interesse verfolgen.